Das Patrozinum der Wallfahrtskirche wird an "Mariä Heimsuchung" gefeiert  

 

    Der linke Seitenaltar im Kirchenraum schildert in seinem Altarblatt die Begegnung zwischen Maria und Elisabeth, ist also dem Patrozinium der Wallfahrtskirche "Mariä Heimsuchung" geweiht.
Weiß, mit gelben Gesimsen und Fensterleibungen, steht die Wallfahrtskirche seit der 1975 unter Pfarrer Andreas Renner durchgeführten Aussenrenovierung im Grün der ebenfalls neuerstellten Aussenanlage. Der Turm an der Nordwestseite des Chores mit dem Spitzhelm aus dem 19. Jahrhundert überragt die 44 m lange, 17 m breite und 23 m hohe Kirche um 12 Meter. Er birgt vier Glocken, deren Geläute bis weit in die umliegenden Täler hinein zu hören ist. Das Jahr der Vollendung 1779 weist darauf hin, daß wir hier vor einem Werk des späten Rokoko stehen, das gleichsam am Vorabend der Säkularisation entstanden ist. Freilich suchen wir schon aussen vergebens etwas von der überfeinerten Raffinesse mancher Grundrisse aus dieser Stilepoche. Schlichtheit und Gediegenheit atmet der Bau. Ein Haus wollte man eben der Gottesmutter bauen, nichts weiter. Ein Haus wurde es, ein massiver Bau, 1,80 m sind die Mauern stark. Die gleiche Schlichtheit im Innern. Das Langhaus besitzt 5 Joche. Gleich dem eingezogenen zweijochigen Chor mit dreiseitigem Schluss erhielt es Tonnengewölbe mit Stichkappen über den Fenstern.    

 

 

     

Rhythmisch sind die abgerundeten Übergänge zum breiten Chor. Vergeblich sucht man die von anderen Rokoko-Kirchen her gewohnte Fülle der Dekoration. Da ist kein Deckenfresko, das den Raum ins Himmlische hin aufsprengte! Das Jesus- und das Marien-Monogramm allein bilden die sparsame Dekoration des Gewölbes über dem Kirchenschiff. Nur an der Decke des Presbyteriums ist eine Himmelfahrt Mariens in etwas bemühter Nachahmung barocker Freskenmalerei zu sehen. Auch der Stuck fehlt. Wenn man sich damit abgefunden hat, spürt man unversehens, daß das Fehlen der Raumdekoration eine um so intensivere Konzentration auf den Altar hin möglich macht. Zwei Elemente unterstützen noch diese Hinführung zur Herzmitte des Bauwerkes.

Das eine sind die sehr leisen, in zurückhaltenden Farben gehaltenen Fresken-Medaillons im Langhaus, dort, wo die Seitenwände sich zur Decke zu wölben beginnen.

In 18 Bildern voll mystischer Transparenz wird Maria angerufen: Du Quelle lebendigen Wassers, Du Leiterin unserer Pfade, Du Lilie unter Dornen, Du Turm Davids, Du Morgenstern, Du goldenes Haus, Du Anker des Lebens, Du Leiter des Himmels

Das zweite, zum Altar hinführende Element ist äußerlich gewichtiger, ja sagen wir ruhig, wuchtiger. An den Wänden des Langhauses und des Altarraums stehen auf Sockeln sechs überlebensgroße Figuren. Wuchtig sind sie und auch etwas klobig. Da fehlt auch schon jede Ahnung von der Grazie und Eleganz einer Rokoko-Plastik. Aber Zeugen einer gediegenen, unerschütterlichen Gläubigkeit sind sie, und indem sie ein wohldurchdachtes theologisches Programm vergegenwärtigen, sind sie trotz ihrer äußeren Schwunglosigkeit ihrem inneren Wesen nach ganz Kinder ihrer Epoche, Zeugnisse barocker Frömmigkeit.

   

 Du strahlendes Licht, Du versiegelter Brunnen, Du Hilfe der Christen, Du Schönheit der Berge, Du Pforte des Himmels, Du Meeresstern, Du Arche des Bundes, Du Heil der Kranken, Du elfenbeinerner Turm, Du Rose ohne Dornen. So kommt auf diese Weise zum weggewordenen Rosenkranz hier auch noch die preisende und flehende Litanei.

 Die innere Bezogenheit auf das Meßopfer, zu dessen Feier das Gotteshaus ja dient, und auf Maria, deren Gnadenbild es birgt, wird deutlich. Links hinten sehen wir Abraham, wie er sich gerade anschickt, das Opfer gläubigen Gehorsams zu bringen. Urbild des Kreuzesopfer Christi und zugleich jener Haltung, in der Maria im Glauben Mutter und Mutter aller Glaubenden werden sollte. Abraham gegenüber steht Moses mit den Tafeln des Alten Bundesgesetzes, das zu erfüllen und zu vollenden der Sohn Mariens gekommen war. Auf der Seite der Abrahamsfigur nach vorne gehend, sehen wir den königlichen Harfner David, aus dessen Hause und Geschlechte der Messias hervorging, den Maria in der Davidstadt Bethlehem gebar. Gegenüber steht der Priesterkönig Melchisedech, der in geheimnisvoller Prophetie schon Brot und Wein, die Gaben des kommenden neutestamentlichen Opfers, in Händen hält. Im Altarraum schließlich stehen links Josef, rechts Johannes der Täufer, beide berufen, an ihrem Platz bei der Oberführung des Alten Bundes in den Neuen Bund mitzuwirken, der mit der Menschwerdung aus Maria begann und bei jeder Messe in sakramentaler Wirklichkeit gefeiert wird.    

 

Kanzel und rechter Seitenaltar mit dem Bild der Heiligen Familie.

Die alttestamentlichen Pilgerführer haben uns zum Hochaltar gebracht. Hier ist der Punkt, auf den sich alles konzentriert. Der Bildhauer Wolf Kurzwort und der Schreiner Wenzl Wickl aus Waldthurn haben ein Meisterwerk geschaffen und brauchen sich auch vor den Altaraufbauten bekannterer Meister nicht zu verstecken. Großzügig ist die Gesamtkonzeption. Die Fenster werden miteinbezogen. Elegant und voller Schwung sind die von Säulen getragenen, von Girlanden geschmückten Bögen mit den Figuren von Joachim und Anna. Die familiäre Einstellung des Barock klingt in dieser Einbeziehung des Elternpaares Mariens in diesem Spätwerk noch einmal auf.

Der Altar bildet mit seiner bewegten Säulenarchitektur, die sich nach oben gewaltig auftürmt und mit ihren Kapitellen in prächtigen Voluten ausläuft, in farbenprächtiger Marmorierung und aufblitzender Goldfassung einen grandiosen Rahmen für das Gnadenbild.

     

 

Gnadenbild am Hochaltar

     

Es ist eine mit einem Prunkgewand bekleidete spätgotische Holzfigur (1480/1490). Maria hält das Kind auf dem rechten Arm. Der Neustädter Kirchenmaler Thaddäus Rabusky (1776-1862) hat das Altarbild, vor dem das Gnadenbild steht, und die Bilder der beiden Seitenaltäre geschaffen. Seinen Namen suchen wir sicher vergeblich in den Verzeichnissen der Kunstgeschichte. Als einheimischer Künstler erreichte er aber ein durchaus beachtliches Format, ja oft ist man überrascht von der Schönheit der Farbgebung und der Anmut der Bewegung, die sich in seinen Bildern findet. Ein besonders schönes Beispiel dafür ist sicher die Gestalt der schreitenden Maria auf dem rechten Seitenaltar.

Hochaltarbild und Gnadenbild nun stehen in einer tiefen inneren Beziehung zueinander. Rabuskys Altarbild ist keineswegs bloß Dekoration und Kulisse. Gott Vater sehen wir da und den Heiligen Geist, von Engeln umgeben. Ein Dreifaltigkeitsbild also? Ja, aber ein unvollständiges. Gott Sohn fehlt. Genauer gesagt, er fehlt im Altargemälde, im Hintergrund-Bild. Aber er ist da. Freilich „sprengt" die Art seines Daseins gleichsam den Rahmen.

Die Abgeschlossenheit des Dreifaltigen Gottes ist aufgebrochen, die Liebe Gottes ist aus den Ufern getreten, und der Ort, an dem sie das Gestade der Menschheit berührt, heißt Maria. Maria trägt den Sohn Gottes, der auf dem Hintergrund-Bild fehlt, als Menschenkind auf den Armen. Auf den Armen Mariens ist Gott der Emmanuel geworden, der „Gott-mit-uns". Schlichter und zugleich eindringlicher könnte die Stellung Mariens nicht ausgedrückt werden als durch diese „Komposition" aus Gnadenbild und Altarbild.

Die beiden Seitenaltäre lassen den Reichtum des Altarraumes zum Langhaus hin ausklingen. Der linke Seitenaltar schildert in seinem Altarblatt die Begegnung zwischen Maria und Elisabeth, ist also dem Patrozinium der Wallfahrtskirche „Maria Heimsuchung" geweiht. Der rechte Seitenaltar zeigt das Bild der Heiligen Familie. Die Kanzel ist ein Werk der Meister des Hochaltares, Kurzwort und Wickl. Wiederum vergeblich sucht man an dieser uralten Wallfahrtsstätte Votivgaben: Sicher ist ihr Verschwinden mit auf die zahlreichen Renovierungen der Kirche zurückzuführen. Viel mehr aber ging wohl schon während der Säkularisation verloren.

   

 

Linker Seitenaltar

     

In der Folgezeit aber war man mit Votivgaben wesentlich zurückhaltender. In diesem Zusammenhang muß aber auf eine Fahrenberger Besonderheit hingewiesen werden. Der Fahrenberg besitzt zwei Votivpyramiden und drei sogenannte Talerbänder. Diese Votivpyramiden sind dreieckige, verglaste Kästen mit reichverziertem silbergetriebenem Rahmen. Im mit rotem Samt ausgeschlagenem Innern knien als Silber-

reliefs dargestellt Fürst bzw. Fürstin Lobkowitz als Votanten vor dem Gnadenbild. Seitlich der Votanten, ebenso im unteren Teil der Kästen, befinden sich jeweils 25 Haken; daran hingen Taler. Die drei Talerbänder wurden zu den Wallfahrtsfesten am Hochaltar aufgehängt. Die Bänder sind aus Baumwolle gewebt, an sie sind mit blauen und rosaroten Schleifen, 84, 83 und 76 Taler geheftet. Man findet an den Talerbändern Münzen aus ganz Mitteleuropa. Sie alle hatten Gültigkeit im Zahlungsumlauf. Auch die sicher einmal vorhandenen Grabsteine sind verschwunden. Da ist nur mehr die Grabplatte der Elisabeth Zenger aus den Anfängen des 15. Jahrhunderts an der südlichen Außenwand eingelassen.

Von der Empore herab grüsst wie ein liebenswürdiger barocker Schlusschnörkel, das mit Blumen und Putten geschmückte Gehäuse der Orgel. Sie muß erklingen und mit ihren Akkorden das fromme Singen der Pilger unterfangen, die das Schiff bis auf den letzten Platz füllen, dann erst lebt das Bauwerk und erfüllt seinen Sinn.

Schrifttum: Kirchenführer 1954/1968.
H. Ascherl, Der Neustädtcr Kirchenmaler Rabusky, 1962.
F. Bergler, Votiv- und Weihgabcn der Fahrenberger Wallfahrt, 1976.
2. Auflage 1986
Herausgegeben im Auftrag des Katholischen Pfarramtes Waldthurn.
Text: Joseph Greil
     
       
   

Friedensmadonna mit Blick nach Osten