Musik für die Seele – Reise durch acht Jahrhunderte für Lichtblicke

Waldthurn (franz voelkl) „Ich finde es faszinierend, dass so ein Festjahr mit der intensiven Ruhe dieses heutigen Musikabends begann“, meinte Countertenor Franz Vitzthum. Am Ende der 100-minütigen Reise durch acht Jahrhunderte waren die Besucher förmlich sprachlos. Das geistliche Kirchenkonzert zum Auftakt der 800-Jahrfeier begeisterte - die Sänger und Musiker boten einen regelrechten Ohrenschmaus. Die musikalische Zeitreise reichte vom Mittelalter bis zur Moderne. Schon der Einmarsch beim gregorianischen Choral „Puer natus in Bethlehem“ ließ einen „Gänsehautabend“ in der abgedunkelten Pfarrkirche St. Sebastian erahnen. Die Sängerinnen und Sänger des Chores tonART in schwarz gekleidet, sangen dabei in reinem Kerzenlicht getauchten Gotteshaus abwechselnd den Choral. „Hausherr“ Pfarrer Marek Baron meinte, dass das Jubiläumsjahr 2017 sehr enthusiastisch gefeiert werde - der heutige Abend solle die Herzen öffnen.

„Heimat ist, wo man singt und Musik macht“, änderte Bürgermeister Josef Beimler den bekannten Spruch des unvergessenen Pfarrers Joseph Greil ab.

Als Uraufführung brachte Countertenor Franz Vitzthum zusammen mit Georg Schmidbauer an der Orgel das „Magnificat anima mea“ des Waldthurner Komponisten Wolfgang-Caspar-Printz, dessen 300. Todestag am 13. Oktober ist, zu Gehör.

Dabei verschmolzen der Gesangsprofi, der in vielen Konzertsälen in Deutschland und der Welt unterwegs ist, mit dem Orgelprofi aus Oberbernrieth zu einem perfekten musikalischen Miteinander. Unter dem Dirigat von Sarah Kellner zog tonART beim „In dulci jubilo“ begleitet von Dr. Marietta Kellner am Klavier, mit präzise und virtuos gespielten Geigen von Simone Puff und Christoph Pausch die Zuhörer in ihren Bann.

„tonArt“ - Chorleiter Stephan Striegl führte das Ensemble souverän beim „Es ist ein Ros entsprungen“ von Michael Praetoius sowie „Jesus bleibet meine Freude“ durch die Musikpassagen. Dabei bestach der gemischte Chor durch präzise Intonierung und gefühlvolle Harmonie in allen Tonlagen. Nicht schlecht staunten die mehr als 500 Zuhörer, als der Lennesriether Christoph Pausch und der 17-jährige Klarinettist Johannes Pflaum aus Waldthurn das „Duo Concertant Op. 16 Nr. 3 für Geige und Klarinette in den Kirchenraum entsandten. Als harmonisches Duo, das sich musikalisch gesucht und gefunden hat, präsentierte sich Johannes Pflaum, der seit seinem 7. Lebensjahr Klarinette spielt und die Flosserin Klara Bäumler (Klavier) mit dem 1. Satz für Klarinette von Carl Stamitz, der Ballade von Niels Gade und der Aria von Eugene Joseph Bozza.

Dass der Markt Waldthurn über ein unglaubliches Potential an Sängern und Musikern verfügt, zeigte sich als die Zuhörer in die Epoche Barock entführt wurden. Der 20-jährige Trompeter Felix Griesbach zeigte dabei zusammen mit Pflaum an der Klarinette und Bäumler am Klavier sein virtuoses Vermögen.

Mit der Sopranistin Sarah Kellner präsentierte sich eine Könnerin ihres Fachs beim „Veni Jesu“ und füllte mit ihrer Stimme das weite Areal des modernen Gotteshauses. Dabei begleitete sie ihre Schwester Marietta an der Orgel sowie der professionelle Geiger Christoph Pausch. Bei seinen zahlreichen Einsätzen ließ er sich, ob auf der Empore oder im Altarraum nie aus seinem musikalischen Gleichgewicht bringen.

Vitzthum bildete bei Bach`s „Jauchzet, frohlocket“ zusammen mit Pausch (Geige) und Klara Bäumler an der Orgel, ein überragendes Trio. Durch seine durch Brustresonanz verstärkte Kopfstimme imponierte Vitzthum in allen Tonlagen.

Der Profisänger, dessen Wurzeln in Lennesrieth bei Waldthurn liegen, zeigte dies auch bei der „Ode für the Birthday of Queen Anne“ zusammen mit Bäumler und dem Trompetensolisten Felix Griesbach.

Einen besonderen Moment erlebten die Zuhörer beim Schlusslied „Look at the world“ von John Tutter - eine bemerkenswerte Symbiose von allen Solisten, tonART, Countertenor Franz Vitzthum unter der Klavierbegleitung von Bernhard Schmidhuber.

Mit dem gemeinschaftlich gesungenen „Oh du fröhliche...“ entließ der von Stephan Striegl geführte und vorbereitete Chor tonART sowie alle beteiligten Musiker die stehend applaudierenden Zuhörer, die selbst mitsangen, in die Stille der Nacht.

Allen Beteiligten war es gelungen, ihr Publikum ins Reich der besinnlichen Klänge zu entführen und die vielen verschiedenen Facetten ihres Könnens zu präsentieren.

Der Erlös des Abends geht an die Aktion Lichtblicke.

Bild (franz voelkl) Franz Vitzthum beim geistlichen Konzert