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Einen fulminanten Abschied bereitete die Pfarrgemeinde St. Sebastian am vergangenen Samstag ihrem scheidenden Pfarrer Marek Baron. Der Pfarrer freute sich über die vielen Gottesdienstbesucher und durfte im weiteren Verlauf des Abends viele überraschende Momente erleben.

Schon beim Kirchenzug unter der klangvollen Blasmusik der Trachtenkapelle Waldthurn, mit vielen Vereinen der Marktgemeinde war dem Geistlichen die Anspannung dieses Abends förmlich ins Gesicht geschrieben. „Wohin ich dich auch sende, dahin sollst du gehen“ den Bibeltext des Propheten Jeremias.

Genau dieser Vers sei die persönliche Überschrift seines Pfarreistellenwechsels. Normalerweise könne man eine Nacht darüber schlafen, ob man eine neue Pfarrstelle übernehme wolle, er habe aber gemäß diesem Spruch sofort zugesagt nach Maxhütte-Haidhof zu gehen. Eigentlich hatte er im September 2000 vor, nur 10 Jahre zu bleiben – nun seien es 17 Jahre geworden. „Ich bin für jedes Jahr hier in Waldthurn von ganzen Herzen in erster Linie Gott dankbar“. Gott habe ihm in „seine Pfarrei“ nach Waldthurn geschickt. Viel Wohlwollen und Liebe habe er hier erhalten, man müsse aber auch Veränderungen annehmen. Er habe versucht, mit den Gläubigen ein Stück des Lebensweges zu gehen, sei aber auch an Grenzen gestoßen. Es bleibe noch Luft nach oben. „Ich entschuldige mich von tiefstem Herzen und bitte um Verzeihung, wenn ich jemanden gekränkt, enttäuscht, übersehen habe, deren Vorstellungen nicht gerecht wurde oder deren Wünsche nicht erfüllen konnte“, meinte Baron sehr selbstkritisch und ehrlich.

Wo er über die Grenzen hinausgeschossen sei wolle er zukünftig arbeiten. Auch als Stadtmensch habe er sich in Waldthurn sehr wohl gefühlt. „Es ist keine Trennung, sondern nur ein Abschied – Gott behüte euch alle Tage“ meinte der Geistliche mit einem leichten Kloß im Hals und Schweiß auf der Stirn unter dem Applaus der Kirchenbesucher.

Zu Ehren des Pfarrers hat sich der Heimatfest - Projektchor unter der Leitung von Manuela Grünauer erneut zusammengestellt. Mozarts anspruchsvolle Spatzenmesse wurde bei Barons Primiz am 9. Juli 1995 in Regensburg gesungen. Mehr als 55 Sängerinnen und Sänger sowie Instrumentalisten boten dieses musikalische Werk zum Abschied des Geistlichen meisterlich dar. Nach dem Verabschiedungsgottesdienst fand die weltliche Verabschiedung, geleitet von Kirchenpfleger Max Kick, am Pfarrheim für alle Pfarrangehörigen statt.

Pfarrgemeinderat – Sprecherin Birgit Bergmann dankte dem „exzellenten Kirchenfachmann“ für seine Seelsorge und sagte, dass Baron in den letzten 17 Jahren ein „Bild des liebenden Gottes“ gezeichnet habe. „In dieser Zeit dürftest du zirka 7500 Gottesdienste zelebriert haben“. Die Sprecherin erwähnte die Leidenschaft des Priesters für den Fußball und erwähnte dabei, dass der Pfarrer Fan des FC Freiburg oder auch TSV 1860 München sei. „Dies entscheidet er immer, welcher der beiden Vereine gerade in der Bundesliga spielt“, meinte sie scherzhaft. „Dieser Weg wird kein leichter sein – für dich und für uns“ stellte sie hinsichtlich der Zukunft fest. Als Abschiedsgeschenk überreichte sie einen „Geldregenschirm“ und eine Bildercollage mit dem Geistlichen und den Gotteshäusern der Pfarrei. Auch die Pfarrhaushälterin Martina Kett wurde verabschiedet. „Ich möchte keinen Tag in Waldthurn missen – es war eine schöne Zeit“, erklärte diese.

Für die weltliche Gemeinde und die Vereinsgemeinschaft ergriff Bürgermeister Josef Beimler das Wort. Er sprach nicht von Abschied, sondern nannte es einen Neuanfang. „Du hast es dir und auch uns nicht immer leicht gemacht – wir dir aber vielleicht auch nicht“. Baron habe immer darauf Wert gelegt, weltliche und kirchliche Angelegenheiten nicht zu vermischen, aber manche Vorgaben des Staates machen eine Zusammenarbeit unumgänglich. „An Gottes Segen ist alles gelegen“, so gab der Geistliche in den vergangenen Jahren vielen weltlichen Einrichtungen den kirchlichen Segen. „Du hattest immer ein offenes Ohr für die Vereine in der Marktgemeinde“.

Baron habe die Menschen von der Wiege bis zur Bahre begleitet. „Danke für deine Freundschaft, die ich nicht missen möchte“. Als Überraschungsgeschenk überreichte der Rathauschef und Vorsitzende der Vereinsgemeinschaft ein E-Bike. „Sollte dein Akku mal leer sein, kannst dich drauf setzen und ihn wieder füllen“. Lisa Käs sprach für den Frauenbund über den fairen Umgang des Geistlichen, Hannah Hornstein von der Landjugend zog mit einem Gedicht Bilanz „Damals waren alle gespannt, was auf uns zukommt, wenn ein Stoderer aufs Land kommt“. Sie wünschte sich, dass Baron zukünftig ein kleines bisschen Sehnsucht nach den Waldthurner Jugendlichen hat. Die Ministranten überbrachten ein „Tablett voller Wünsche“ und Kolpingchef Martin Zellner übergab ein „Marek Baron – Bier“.

Ergriffen und überwältigt dankte Baron abschließend sehr ausführlich, angefangen von den Pfarrgemeinderäten, über die Kirchenverwaltungen der letzten 17 Jahre bis hin zu seiner Pfarrsekretärin Ingrid Troidl, den Mesnerinnen und Mesnern sowie den Ministranten, die er aufforderte, treu in ihrem Dienst zu bleiben. Nicht vergessen wollte er die Trachtenkapelle und die einzelnen Chöre sowie die Bildungseinrichtungen.

Zu guter letzt erwähnte er die vorbildliche Zusammenarbeit mit dem Marktrat und Bürgermeister Beimler. „Lieber Sepp – wir waren auf keinen Fall Don Camillo und Peppone“. Waldthurn sei auch ein Stück Heimat geworden.

Am Donnerstag, 31. August zelebriert Pfarrer Marek Baron um 8 Uhr seine endgültig letzte Messe in der Waldthurner Pfarrkirche.