Waldthurn (fvo) Dieser Mann brennt für den Dialog und reißt mit seiner Begeisterung die Menschen mit. Der Friedenspreisträger Bischof Joachim Ouédraogo aus Burkina Faso referierte am vergangenen Sonntag im Waldthurner Pfarrheim. Seine Botschaft war eigentlich ganz einfach. Es wird, egal ob Muslime, Christen oder auch in der Politik immer Radikale geben, sie dürfen nur nicht an Boden gewinnen. Dies sei einzig und allein mit einem interreligiösen Dialog, den er nach eigenen Worten garantiert nicht mit einer universitären Bildung, sondern einzig allein mit Erlebnissen und viel Erfahrung erlernt hat, möglich. Die große Herausforderung ist für den afrikanischen Bischof das friedliche Zusammenleben der Religionen. "Unser Land Burkina Faso ist ein Modell für den Dialog und die Toleranz zwischen den Religionen", betonte er. Eingeladen hatte zu dem überaus interessanten Vortrag das päpstliche Missionswerk missio, die Arbeitsstelle Weltkirche und die Katholische Erwachsenenbildung Kreis Neustadt und Stadt Weiden.

Der 55-jährige Ouédraogo stellte sich und sein Land mit der Übersetzung von Lukas Matzik aus Herzogenaurach vor. Der Bischof erläuterte kurz sein Leben in der Diözese Dori und seit 2011 in der Diözese Koudougou in Burkina Faso. Der Geistliche stellte sein „Erfolgsmodell interreligiösen Dialog“ sehr anschaulich dar. „Unterschiede in der Religion dürfen kein Grund zur Spaltung sein“.

Er habe durch viele persönliche Erlebnisse festgestellt, dass manche Muslime die Christen akzeptieren und andere lehnen sie kategorisch ab. So habe er seine Bemühungen um den interreligiösen Dialog zuerst bei den Jugendlichen angesetzt und eine Vereinigung von Jugendgruppen aller Religionen gegründet.

Diese seien insgesamt zwei Mal nach Rom gereist, um den Geist der katholischen Kirche zu erfahren. „Dabei habe ich gesehen, dass ein muslimisches Mädchen vor dem Grab von Papst Johannes Paul II gebetet hat“.

Man habe einen Imam in Rom getroffen, dort sei man in eine Moschee aber auch auf den Petersplatz gegangen. Insgesamt zehn italienische Jugendliche durften zum Gegenbesuch nach Afrika. So haben sich diese jungen Menschen kennengelernt und der interreligiöse Dialog sei dabei ganz einfach vorhanden gewesen. Beim Vortrag des sympathischen Bischofs war die Begeisterung für sein Tun spürbar. Die nächste Gruppe seien Frauen gewesen. Man habe Vereinigungen gebildet um das System der Mikrokredite für diese Kleinunternehmen voranzutreiben. Geführt werden diese von Frauen beider Religionen. Nachdem Ouédraogo im Jahr 2011 in die Diözese Koudougou versetzt wurde, packte ihn auch dort der Virus des Dialogs diesmal mit Kinder. „Nur Berge treffen sich nicht – Menschen schon, denn sie können in den Dialog auf drei verschiedenen Ebenen treten“. Die Ebene des alltäglichen Lebens und die der Werte. Die dritte Ebene des spirituellen Dialogs sei zweifelsohne am schwersten, sei aber bis zu einem bestimmten Punkt gemeinsam möglich – man müsse sie nur wollen. Auf die Problematik der oft radikalen Muslime beispielsweise in Mali angesprochen, meinte der Bischof, dass von Saudi-Arabien oder auch Libyen Muslime nach Schwarzafrika gekommen sind, die diesen Radikalismus in die Familien getragen haben. „Ursprüngliche Muslime“ in Afrika seien nicht radikal, oft leben in den Familien verschiedene Religionen zusammen.

Das Land sei „reich an Armut“ was jede Religion betreffe. Manche ethnische Gruppe sei in einer sogenannten „Scherzverwandtschaft“, die sich zwar regelmäßig streiten und beleidigen, sich aber trotzdem verstehen. Dies sei einmalig in Burkina Faso.

Man müsse sich für den interreligiösen Dialog einsetzen, damit diese Radikalen nicht gewinnen –auch wenn wirtschaftliche Fakten oft in deren Tasche spielen. Dort wo Menschen zusammenleben gebe es immer Probleme. „Wollen wir sie lösen, indem wir den Anderen töten oder setzen wir uns zusammen und finden gemeinsam im Dialog um Lösungen“.

Der Waidhauser Pfarrer Georg Hartl dankte dem Gast aus Westafrika für seinen lebendigen Vortrag.

Bilder (franz voelkl)