Der Mann mit den lachenden Augen nimmt Abschied

Professor Dr. Janusz Kropiewnicki das letzte Mal als Urlaubsvertretung

Waldthurn (fvo) „Einmal muss Ende sein“, sagte der Urlaubspfarrer Janusz Kropiewnicki bei einem Pressetermin im Waldthurner Pfarramt St. Sebastian. „Aus gesundheitlichen Gründen kann ich diese lange Reise von meinem Heimatdorf Tymawa in Polen hierher in die 1000 Kilometer entfernte Oberpfalz in Zukunft nicht mehr antreten“. Am Sonntag, 28. August -nach dem Mittagessen- bricht ein liebgewonnener, fester Bestandteil im Jahresablauf weg.

Seit 29 Jahren kommt Professor Dr. Janusz Kropiewnicki pünktlich wie ein Mauerer zu Beginn der großen Ferien nach Waldthurn. Der polnische „Pfarrer Janusz“ mit den lachenden blauen Augen, gehört zum Monat August wie die Getreideernte. Die Reisestrapazen nagen an seiner Gesundheit. Seit 1988 kommt der Geistliche nach Waldthurn, um alljährlich Pfarrer Marek Baron und zuvor Bischöflich Geistlichen Rat Andreas Renner den wohlverdienten Sommerurlaub zu ermöglichen.

„In den letzten fast drei Jahrzehnten gehörte es zum Jahreslauf, wenn Pfarrer Janusz gekommen ist, war es ein sicheres Zeichen, dass die Ferien nicht mehr weit sind“, resümiert Pfarrgemeinderat -Sprecherin Birgit Bergmann.

Die Pfarr- und Marktgemeinde wird den polnischen Geistlichen am Samstag, 27. August nach einem Kirchenzug (18.45 Uhr an der Dreifaltigkeitssäule) mit Vereinsabordnungen und –fahnen im Gottesdienst um 19 Uhr in der Pfarrkirche und anschließendem Stehempfang verabschieden.

Die alljährliche Fahrt strengt den sympathischen und sehr menschlichen Priester doch erheblich an, für die Hin- und Rückreise sitzt er vier Tage im Auto. Waldthurn ist mittlerweile seine zweite Heimat geworden. „Dass ich so oft gekommen bin, ist das beste Zeugnis für diese liebenswerte Pfarrgemeinde“, erklärte der Geistliche. „Allerdings ist es mir hier nicht möglich, beim Spaziergang durch den Ort oder auch beim Gang zum Fahrenberg den Rosenkranz ohne Unterbrechung zu beten“, sagte der 64 - Jährige mit einem Augenzwinkern und gleichzeitig voller Freude, dass die Waldthurner gerne mit ihm ins Gespräch kommen.

Auch die weltliche Gemeinde schätzte die seelsorgerische Arbeit des Polen und würdigte dies 2012 mit dem Eintrag ins Goldene Buch der Marktgemeinde. „Die Zeit zuvor und die 14 Jahre, in denen ich Bürgermeister bin, waren von einer tiefen, freundschaftlichen Zusammenarbeit geprägt“, sagte Bürgermeister Josef Beimler.

Pfarrer Janusz leitet in seiner Heimat eine Pfarrei mit 600 Seelen und ist zusätzlich zwei bis drei Tage in der Woche als Professor im Priesterseminar Pelplin tätig.

Kropiewnicki behauptete leidenschaftlich, er sei der direkte Nachfolger der spanischen Ritter der Calatrava, die sich im 13. Jahrhundert im polnische Heimatdorf Tymava angesiedelt hatten. So müsse auch heute das Christentum gegen die Heiden verteidigt werden. „Leider sitze ich als Ritter nicht mehr so sicher auf meinem Pferd“, sagte er humorvoll.

In Waldthurn hat Pfarrer Janusz viele Freundschaften geschlossen. „Abschied ist auch ein kleines bisschen wie Sterben“. Die „Werktagskirchgänger“ kenne er zu 70 Prozent mit Nachnamen und zu 100 Prozent vom Gesicht.

Ob er wieder mal als Besucher nach Waldthurn komme, könne er heute nicht sagen. „Wer weiß?“.

 
Bild (fvo)