Bild: fvo Josef Riedl, 60 Jahre Mesner auf dem Fahrenberg

Seit 180 Jahren führt die Riedl-Familie auf über 800 Metern Höhe auf dem Fahrenberg das "Mesner-Regiment". Ein Mann sticht dabei besonders heraus.

Oberfahrenberg. In fünfter Generation ist Josef Riedl der Mesner vom Fahrenberg. Der 77-Jährige führt mit einer unglaublichen Gelassenheit und Disziplin die Mesnertradition seiner Familie fort. Zu Beginn des neuen Wallfahrtsjahres im Mai 2018 kann der "Mesner-Sepp" sogar sein 60-jähriges Mesnerjubiläum feiern. Die meisten Pilger kennen keinen anderen Mesner in der Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung als ihn.

Laut Recherchen des Oberbernriether Heimatpflegers und Fahrenberg-Kenners Georg Schmidbauer war die erste Erwähnung des Mesnerdienstes im lobkowitzischen Saalbuch von 1666. Darin heißt es in der Beschreibung des Fahrenbergs: "Ist auch dabei (neben der Kirche) ein Häusl von Holz aufgebaut, worinnen ein Meßner oder Kirchendiener wohnt, so morgens, mittags und abends das Gebet läutet und sonsten die Kirchen in guten Obacht nimmt."

Der erste namentlich bekannte Mesner ist Georg Schönweitz. Über Leonhard Schönweitz ging dann 1752 das Amt an dessen Sohn Hans Adam Schönweitz. 1763 hieß der Fahrenberg-Mesner Daniel Frantz. Sein Nachfolger war 1801 Johann Ebnet, der bis 1817 zugleich das leibliche Wohl der Wallfahrer als Fahrenberg-Wirt im Blick hatte.

Am 8. November 1837 übergab Ebnet den Mesnerdienst seinem Schwiegersohn Georg Riedl. Dies ist der Beginn der Ära Riedl auf dem Fahrenberg. 1849 starb Georg Riedl plötzlich. Die Mesnerei wurde seiner Witwe überlassen und als Interimsmesner fungierte Paulus Müller.

16 Jahre später übernahm Michael Riedl den Mesnerdienst, übergab ihn bereits nach 3 Jahren an seinen Sohn Sebastian, der bis 1901 gewissenhaft und eifrig seine Tätigkeit versah und bei seiner Resignation von Pfarrer Ettl für 33-jährige treue Dienstzeit ein "prachtvolles Josefsbuch" mit Widmung erhielt, das sich heute noch im Besitz der Familie befindet.

Gotteshaus tagsüber offen

Sein Nachfolger wurde Sohn Josef. Für die 700-Jahr-Feier der Fahrenberger Wallfahrt wurde 1902 das altehrwürdige, aus dem 18. Jahrhundert stammende Mesnerhaus einer gründlichen Renovierung unterzogen. Als aus Altersgründen Josef Riedl abdankte, übernahm Sohn Albert im Mai 1936 das Amt.

Im Mai 1958 starb Albert Riedl, so trat der heutige Mesner Josef Riedl als 18-Jähriger überraschend in die Fußstapfen seines Vaters. Der gelernte Waldfacharbeiter führt das Amt bis heute mit einer gläubigen Besonnenheit aus. Er gehört zum Fahrenberg wie die Wallfahrtskirche, der Freialtar, die Dreifaltigkeitskapelle, das Mesnerhaus und der Gipfelwirt.

Unzähligen Priestern oder auch Bischöfen hat er in das Messgewand geholfen. Mit den Waldthurner Pfarrern Johann Götz, Max Meindl, Andreas Renner, Marek Baron und seit 1. September Norbert Götz erlebte er bisher fünf Geistliche als seine Chefs. Derzeit befindet sich die Fahrenbergwallfahrt in der Winterpause (Dreikönigsfest im November bis 30. April), wobei es auch der Mesner gemäß der Jahreszeit etwas ruhiger angehen lassen kann. Für das Gebet ist das Gotteshaus tagsüber dennoch geöffnet. Früher betrieb die Familie der Mesnerei am Oberfahrenberg Hausnummer 1 sechs bis sieben Tagwerk Landwirtschaft um den Fahrenberg herum. Der stolze Besitz waren drei bis vier Kühe.

Für diesen kleinen Bauernhof und die mietfreie Wohnung musste man seit Generationen in der Fahrenbergkirche den Mesnerdienst übernehmen. Zu dieser Zeit waren nur wenige Gottesdienste auf dem heiligen Berg der Oberpfalz: die vier Fahrenbergfeste und wenn der Waldthurner Kaplan in der Bernriether Schule Religionsunterricht abhielt, zelebrierte er zuvor mit den Kindern auf dem Fahrenberg eine Messe.

Erst der Waldthurner Pfarrer Max Meindl (vom 1. Oktober 1957 bis 1. Juni 1970 Pfarrer der Pfarrei St. Sebastian Waldthurn) führte von Mai bis November den Sonntagsgottesdienst ein.

1969/1970 wurden der Mesner-Stall und -Stodl abgerissen
und das Mesner-Haus neu erbaut. Aus der Hausnummer 1 wurde
Oberfahrenberg Nummer 4.

 

 

 

 

Krawatte und weißes Hemd

Was wäre es für ein Fahrenberggottesdienst, wenn Josef Riedl mit Krawatte, weißem Hemd und Anzug nach den Messfürbitten mit den Opferkörben nicht aus der Sakristei kommen würde. Er wird wegen seiner Tätigkeit in und um das Gotteshaus von der Bevölkerung hochgeschätzt. Wer ihn beerben wird, ist derzeit nicht in Sicht.

"Die Gläubigen auf und um den Fahrenberg hoffen auch an diesen weihnachtlichen Tagen, dass der 'Mesner-Sepp' noch lange den Ministranten für ihren Dienst am Altar in der Sakristei letzte Anweisungen gibt und seine Kirche samt Umgebung ständig im Blickwinkel hat", erklärte Georg Schmidbauer. Der ehemalige Seminarrektor ist nicht nur der "Hauptorganist an der Fahrenbergorgel", sondern auch ein dankbarer Freund des tiefgläubigen Mesners. Dieser blickt stolz auf die 180 Jahre seiner Familie im Dienste Mariens zurück.