Pfarrgemeinderatssprecherin Angela Wittmann, Pfarrer Norbert Götz, Mesner Josef Riedl und Kirchenpfleger Max Kick. Bild: fvo

Sechs Jahrzehnte Dienst an höchster Stelle

Fahrenberg (franz voelkl) Er ist ein aufrechter Mann im wahrsten Sinne des Wortes, von seinem Wesen und seiner Körperhaltung her. Wenn man einen „Idealmesner“ definieren müsste, bräuchte man nur Josef Riedl beschreiben, der auf 801 Meter Meereshöhe seiner Berufung seit 60 Jahren nachgeht. Bei der diesjährigen Fahrenberg – Wallfahrtseröffnung am 1. Mai feierte er dieses außerordentliche Jubiläum. Gottesdienstbesucher in der Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung empfinden seit 60 Jahren den Anblick dieses Mannes mit Anzug, weißem Hemd und Krawatte als einen festen Bestandteil. Der Mesnersepp wie er genannt wird - gehört zum Fahrenberg wie der böhmische Wind, der um den Gipfel weht und bildet einen ruhenden Pol im manchmal hektischen Wallfahrtsgetriebe.

Auf den Tag genau seit sechs Jahrzehnten – dem 1. Mai 1958 - betreut Josef Riedl das weithin bekannte Heiligtum, die Wallfahrtskirche „Unserer Lieben Frau vom Fahrenberg“. Auch an diesem diamantenen Mesnerjubiläum „wandelt“ er so wie man ihn kennt voller Würde und Souveränität aus der Sakristei. In fünfter Generation führt er die 180-jährige Mesnertradition seiner Familie auf dem heiligen Berg der Oberpfalz fort. Pfarrer Norbert Götz gratulierte während der Predigt und am Ende des Festgottesdienstes zusammen mit der stellvertretenden Pfarrgemeinderatssprecherin Angela Wittmann und Kirchenpfleger Max Kick zum Jubiläum und übergab unter dem Applaus der Gottesdienstbesucher ein kleines Geschenk. „Von allen Waldthurnern kenne ich den Fahrenbergmesner am längsten“, meinte Pfarrer Norbert Götz. Vor 29 Jahren sei Götz mit den Tirschenreuther Kommunionkindern zum Fahrenberg gekommen, verändert habe sich Riedl seither vom Aussehen fast nicht. Am heutigen Fest des „heiligen Josef des Arbeiters“ könne der fleißige Fahrenbergmesner Josef feiern. Riedl wohnt im Mesnerhaus, das direkt neben der Wallfahrtskirche, der Dreifaltigkeitskapelle und nicht zu vergessen neben dem Berggasthof Weig, dem „Foahrnberger Wirt“ steht.

Schwieriger Beginn mit knapp Achtzehn

Im Mai 1958 verstarb Albert Riedl, der Vater des jetzigen Mesners. So hat der gelernte Waldfacharbeiter im zarten Alter von 18 Jahren das Mesneramt übernommen. „Es war am Anfang schon schwierig, aber durch die Jahre wächst man in dieses Mesnerdasein hinein“, gibt er unumwunden zu. Schon als kleiner Bub begleitete er seinen Großvater, der ebenfalls Josef hieß, bei dessen Arbeiten rund um die Kirche. „Mein Vater Albert war in dieser Zeit im Krieg“. Die Schule besuchte der am 5. Juni 1940 geborene, kleine Josef in Oberbernrieth. Früher betrieb die Familie zu der Mesnerei sechs bis sieben Tagwerk Landwirtschaft um den Fahrenberg herum. Der stolze Besitz waren drei bis vier Kühe.

Für diesen kleinen Bauernhof und die mietfreie Wohnung musste man seit Generationen in der Fahrenbergkirche den Mesnerdienst machen.

Die rechte Hand des Mesners

47 Jahre war für den „Holzhauer“ vom Fahrenberg seine Ehefrau Sieglinde die ideale Ergänzung im Mesneramt. Geheiratet haben Sieglinde und Josef 1966 – Tochter Christine machte die Familie komplett. Sieglinde übernahm nach dem Einzug ins Mesnerhaus das Schmücken der Kirche, sorgte dafür, dass die anfallende Kirchenwäsche gewaschen und die Kirche sauber war. Sie agierte in diesen Jahren als rechte und gleichberechtigte Hand von Sepp. Leider ist Sieglinde vor knapp fünf Jahren verstorben.

Von Götz bis Götz

Der Mesnersepp hat in den vergangenen sechs Jahrzehnten unzählige Priester und Bischöfe beim Bekleiden unterstützt und sich in und um die Wallfahrtkirche Mariä Heimsuchung gekümmert. Die letzten fünf Regensburger Bischöfe Michael Buchberger, Rudolf Graber, Manfred Müller, Gerhard Müller und der jetzige Bischof Rudolf Voderholzer waren ebenso dabei wie die Weihbischöfe Dr. Josef Graf, Reinhard Pappenberger, Josef Hiltl, Karl Flügel und Wilhelm Schraml. Mit den Pfarrern Johann Götz, Max Meindl, Andreas Renner, Marek Baron und derzeit Norbert Götz erlebte er bisher fünf Waldthurner Geistliche als seine Chefs. Riedl kann viele Geschichten um den Fahrenberg erzählen.Eine nachdenkliche Begebenheit blieb Riedl im Gedächtnis. Ein gewissenloser Bundeswehrsoldat, der zu tief ins Glas geschaut hatte, malträtierte den Herrgott am Kreuz des Fahrenberger Freialtars mit einer Fahnenstange, bis der Arm des Christus herunterfiel. Nachdem im Spint des auf Abwege gekommenen Soldaten der Arm gefunden wurde, brachte ein Hubschrauber diesen zum Fahrenberg zurück.

Traditionell werden und wurden auf dem Fahrenberg doch manche Münzen und Scheine in das „Körbchen“ geworfen und vom Mesner eingesammelt. „Ich habe keine Ahnung, wieviel es in den letzten 60 Jahren waren“, resümiert Riedl.

Auf die Frage, wer ihn denn mal als Mesner beerben wird, zuckt der Mesnersepp mit den Schultern. Das ist eine gute Frage - ein Nachfolger ist derzeit nicht in Sicht.

Egal wie es wird - freuen wir uns gegenwärtig beim Anblick dieses „Vorzeigemesners“ an höchster Stelle in und um die Wallfahrtskirche.

(Franz Völkl)