Seit 80 Jahren Treffpunkt des Glaubens
Bild: fvo

Albersrieth (fvo) „Es war damals etwas Besonderes, dass das kleine Gotteshaus durch H.H. Erzbischof Michael Buchberger persönlich konsekriert wurde“, erinnerte Pfarrer Norbert Götz an den 24. Juni 1938. Genau vor 80 Jahren wurde laut den Geistlichen diese große Gemeinschaftsleistung, trotz den damals schweren kirchenfeindlichen Zeiten unter dem Diktat der Nationalsozialisten, vollbracht. Beim Festgottesdienst, bei dem auch ehemalige Albersriether anwesend waren, gratulierte sogar die Abendsonne, die durch die Kirchenfenster ihre Strahlen in das Gotteshaus schickte. Götz verglich die Steine des Gotteshauses mit Menschen, die sich als lebendige Steine von Jesus Christus sehen sollten. „Der Herr hat hier in Albersrieth vor acht Jahrzehnten seine Wohnung aufgeschlagen“, sagte der Waldthurner Pfarrer bei der Feier in der kleinen Kirche, die dem Heiligen Michael geweiht ist. Selbstverständlich waren vier einheimische Dorfministrantinnen und Ministranten am Altar und Silvia Stahl sprach die Lesung sowie die Fürbitten.

Fünf Sängerinnen des Chors amicanti mit Lena Lukas, Barbara Wittmann, Anja Riedl sowie Theresa und Laura Anzer begleiteten die Festmesse. Die Anzer-Schwestern spielten abwechselnd am E-Piano und Anja Riedl begleitete beim „Hymn“ an der Gitarre.

Das war damals im Juni 1938 ein riesiges Fest. Wegen der vorausgegangenen hohen Belastung durch Arbeit und Finanzen stellte man die Fertigstellung des Zwiebelturmes zurück – zwölf Jahre später konnte auch der das Gotteshaus prägende Kirchturm fertiggestellt werden. Gut fünf Jahre älter als die Kirche ist der gegründete Kapellenbauverein. Seit über 85 Jahren verfolgt er den Zweck der Errichtung bis hin zum Erhalt der Kapelle. „Unsere St. Michaels -Kapelle ist das einzige Gotteshaus in der Pfarrgemeinde, das dem Dorf gehört – nicht der Pfarrei“, erklärt Kapellenverein – Vorsitzender Heinrich Weig.

Im Vordergrund stand und steht aber die Kapelle, die den Ort vor 80 Jahren um ein Stück reicher machte. Sie ist eine Säule des Glaubens, religiöser Mittelpunkt und ins Dorfleben fest eingebunden. Das schmucke Kirchlein hat eine reichhaltige Geschichte und diese ist eng mit der Schule verbunden.

1924 begann in der neugebauten Schule in Albersrieth der Unterricht. Man hatte vom bischöflichen Ordinariat die Erlaubnis, im Lehrmittelzimmer die Schulmesse zu feiern. Die Kinder saßen dabei in den Bänken, hatten aber keinen Blick zum Altar – ein untragbarer Zustand. Dies war schließlich der Auslöser für eine ernsthafte Planung zum Bau einer Dorfkapelle. Im Januar 1933 wurde von 16 Anwesenden der Kapellenbauverein gegründet, eine Satzung erlassen und Ökonomierat Johann Weig aus Albersrieth zum Vorsitzenden gewählt. Er und Pfarrer Georg Haller hatten nun für die kommenden Jahre die Verantwortung übernommen.
Nachdem am 11. Februar 1935 die Witwe Maria Bodensteiner (Vizbauer) gegen Grundtausch zehn Dezimal Baugrund gegenüber der Schule zur Verfügung gestellt hatte, begann im April 1935 bereits der Hand- und Spanndienst zum Bau der Kapelle. Im Juni 1935 wurde der Grund ausgehoben und das Bauholz abgesägt. Am 21.10.1935, dem Tag der Baugenehmigung, wurde der Grundstein gelegt und schon drei Wochen später konnte der Dachstuhl aufgesetzt werden.

Im Winter 1937 wurde ein Marmoraltar errichtet und tagelang konnten die Kinder zusehen, wie Kunstmaler Vierling aus Weiden das Altarbild als Fresko an die Wand zauberte. Im Juni 1938 brachte der Bischof Michael Buchberger die Reliquien nach Albersrieth und die Kapelle wurde im Rahmen eines großen Dorffestes konsekriert.

Als direkter Nachbar zum Gotteshaus führt Paulus Bodensteiner seit 45 Jahren die Mesnertradition, die auf dem Vitzbauernhof daheim ist, fort. Er hat sein Amt im Jahr 1973 von seinem Onkel Bartl (1964 bis 1973) übernommen - zuvor war sein Vater Paul vom ersten Tag des Bestehens der Kapelle im Jahr 1938 der Mesner.

Der Vitzbauernhof ist nur ein Steinwurf vom Gotteshaus entfernt und tagtäglich besteht für die Gläubigen die Möglichkeit in das Kirchlein nebenan einzutreten und zu beten.

(Franz Völkl)